Streit um mehr Barriefreiheit
von Marlies Neumüller
01. Februar 2010
Welche Teile seines Programms muss der ORF künftig mit Untertiteln versehen oder in Gebärdensprache dolmetschen, und welche Fernsehprogramme sollen in Zukunft zusätzlich mit Audiodeskription (akustische Bildbeschreibung) gesendet werden, damit auch blinde und sehbehinderte Menschen das Angebot nutzen können? Um diese Fragen sind zwischen Vertretungen behinderter Menschen und dem ORF erneut heftige Diskussionen ausgebrochen.
Vermeintliche Einigung?
Nachdem auch im Entwurf für ein neues ORF-Gesetz keine keine verbindlichen Ziele für den Ausbau des barrierefreien Angebots festgelegt wurden, verhandelten Behindertenverbände mit dem ORF in einem Round-Table-Gespräch im Dezember 2009 über einen Etappenplan zur Ausweitung der Barriefreiheit. Der ORF verkündete daraufhin in einer Aussendung eine vermeintliche Einigung, wonach der Anteil an Sendungen mit Untertitel von derzeit 33 Prozent bis Ende 2010 auf 45 Prozent und im Jahr darauf auf 55 Prozent aller Fernsehsendungen steigen soll. Für blinde und sehbehinderte Fernsehkonsumenten will der ORF 50 Folgen der Serien „Soku Kitzbühel“, „Soku Donau“ und „Winzerkönig“ sowie zwölf eigenproduzierte Spielfilme mit Bildbeschreibung ausstrahlen. Außerdem soll die Audio-Kommentierung von Sport-Events ausgebaut werden.
Stufenplan für Barriefreiheit
Der Österreichische Gehörlosenbund (ÖLGB) widerspricht nun dieser Darstellung des ORF: Eine Einigung habe es nie gegeben, man habe sich nur zu Gesprächen getroffen. In einer Aussendung, die auch der Verein BIZEPS veröffentlicht hat, fordern die Vertreter des ÖLGB einen Stufenplan zur vollständigen Untertitelung des ORF Angebots bis 2014. Weiter Forderungen des Gehörlosenbundes: Einführung von digitalen Untertiteln, da es durch die Umstellung auf Digital-TV mit den Teletext-Untertiteln immer wieder zu Problemen kommt, Untertitelung von ORF-Serien auf Kauf-DVDs sowie sichtbare Einblendung der Übersersetzung in Gebärdensprache bei bestimmten Sendungen in ORF 1 und ORF2, um das Bewusstsein für und die Akzeptanz der Sprache in der Bevölkerung zu erhöhen.






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