Wie macht sich Onlinejournalismus bezahlt?
von Regula Troxler
24. Juni 2010
Von Markus Grammel
Rückläufige Werbeeinnahmen und – wie im Falle des ORF – gesetzliche Beschränkungen : Für Zeitungsverlage wie Rundfunkanstalten besteht Anlass, sich Gedanken über alternative Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Webangebote zu machen. Um den Fortbestand des Qualitätsjournalismus im Onlinezeitalter zu sichern, sind Modelle gefragt, die über die reine Werbefinanzierung hinausgehen.
Abo-Modell
Die französische Onlinezeitung Mediapart zeigt vor, in welche Richtung es gehen könnte. Entgegen der weitläufigen Meinung, dass Leser/innen im Internet über keine Zahlungsbereitschaft für journalistische Inhalte verfügen, ist Mediapart auf dem besten Weg, sich über Abonnements zu finanzieren. Seit dem Launch im Frühjahr 2008 konnte Mediapart 25.000 Abonnenten gewinnen. Doppelt so viele müssen es werden, damit der Onlinedienst gewinnbringend agiert. Für neun Euro im Monat oder 90 Euro pro Jahr erhält man Zugang zu täglich drei Onlineausgaben. Obwohl es sich bei Mediapart um eine reine Onlinezeitung handelt, konnte sie sich in der französischen Medienlandschaft etablieren: Anfang Juni erhielt Mediapart den Großen Medienpreis 2010.
Micropayment
Einen anderen Zugang verfolgen Unternehmen, die auf sogenannte Micropayment-Tools setzen. Im Unterschied zum Abo-Modell können die Leser/innen kostenlos auf alle Inhalte der jeweiligen Website zugreifen, werden jedoch dazu angehalten, auf freiwilliger Basis einen geringen Betrag zu entrichten. Zwei bislang noch wenig beachtete Tools heißen Flattr (von engl. to flatter = schmeicheln) und Kachingle (Titel in Anlehnung an den Klingelton einer Kassa). Derartige Tools, die sich in Homepages integrieren lassen, übernehmen die Rolle als Vermittler zwischen Content-Provider und Konsument/in und wickeln die Überweisungen der Beträge ab. Die tageszeitung nützt als erstes klassisches Medium Deutschlands den Dienst Flattr für seinen Webauftritt. Durch die einfache Handhabung sollen Flattr und Kachingle aber auch privaten Blogger/innen und Homepage-Betreiber/innen ermöglichen, mit ihren Angeboten Geld zu verdienen.
Crowd Funding
Die Idee, Einnahmen aus freiwilligen Spenden der User/innen zu erzielen, ist nicht neu. Tools wie Flattr oder Kachingle gehen jedoch einen Schritt weiter: Nach Registrierung legt der User im Vorhinein fest, wie viel Geld er insgesamt pro Monat für seinen Online-Medienkonsum ausgeben will. Im Laufe des Monats klickt der User unter jedem Artikel, den er honorieren möchte, auf einen Spenden-Button. Am Monatsende wird der Gesamtbetrag unter allen vom User unterstützten Autor/innen gleichmäßig verteilt. Weil Inhalte so von einer Vielzahl verschiedener Menschen finanziert werden, ist für diese Art von Finanzierungsmodell in den USA der Begriff Crowd Funding geläufig.






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