Public Value ist ein Forschungsprojekt über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Industriestaaten brauchen neue Medienförderung

Das Subventionssystem für Medien in Europa und den USA ist veraltet. Es muss dringend reformiert werden, ansonsten könnten sie ihre öffentliche Aufgabe in Zukunft nicht mehr ausreichend erfüllen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle internationale Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism, die die existierenden Fördersysteme in sechs Ländern vergleicht.

Finnland hat die höchsten Förderungen

In die Studie miteinbezogen wurden die Fördersysteme von Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Finnland und den USA. Sie stehen beispielgebend für unterschiedliche Mediensysteme.

Mit einem Betrag von insgesamt 130,70 Euro pro Person und Jahr leisten die Finnen von den untersuchten Ländern die höchsten öffentlichen Förderungen für ihre Medien. Auf dem zweiten Platz folgt Deutschland (94,9 Euro), dahinter Großbritannien (80,4 Euro), dann Frankreich (68,5 Euro) sowie Italien (43,2 Euro) und zum Schluss die USA (5,2 Euro). In die Berechnungen miteinbezogen wurden sowohl Förderungen (Rundfunkgebühren) für öffentlich-rechtliches Fernsehen im klassischen Sinn bzw. andere öffentliche Subventionen für TV-Programme (etwa in den USA), als auch Presseförderungen direkter und indirekter Art (z. B. Steuervergünstigungen oder ermäßigte Postgebühren). Falls vorhanden wurden auch noch andere Förderungen, beispielsweise für Online-Medien, berücksichtigt.

Etablierte Player werden bevorzugt

Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2008 – also noch bevor beispielsweise in Frankreich die Werbefinanzierung im öffentlichen Rundfunk abgeschafft wurde. Die seither in Frankreich und anderswo passierten Änderungen beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen mögen die Statistik etwas verschoben haben, die Kernaussage ist aber heute wie vor drei Jahren aktuell:

„Die grundsätzlichen Unterstützungsformen, die es heute im Medienbereich gibt, sind seit dreißig Jahren, oder noch länger, dieselben, und bevorzugen lang etablierte traditionelle Medien“, so die Studienautoren Rasmus Kleis Nielsen und Geert Linnebank. Subventioniert würden vor allem das öffentlich-rechtliche Fernsehen bzw.– mittels Steuererleichterungen und ermäßigten Posttarifen – große Zeitungen. Gerade im Printbereich würde so vor allem die Infrastruktur gefördert, nicht aber die originäre Leistung – nämlich Journalismus – an sich.

Zwar entdecken die alt eingesessenen Player zwar in den letzten Jahren das Internet, Förderungen für Neue Medien und genuinen Online-Journalismus, gibt es der Studie zufolge, jedoch kaum. In einer Zeit, wo das Internet als Inforationsquelle an Bedeutung gewinnt, müsse dieser Ansatz geändert werden, meinen die Autoren der Studie.

Mehr direkte Förderung

Den Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehen die Forscher nicht per se gefährdet, wenn auch nicht sicher sei, wie sich die allerorts vorgenommenen Budgetkürzungen auswirken würden. Problematischer sehen sie die Systeme indirekter Presseförderung. Ermäßigte Umsatzsteuer für verkaufte Exemplare und vergünstigte Posttarife wirken vor allem bei hohen Auflagen. Gehen diese, wie derzeit, zurück funktioniere das System nicht mehr richtig. Deshalb plädieren die Wissenschaftler für mehr direkte Förderung, beispielsweise für die Beschäftigung von Journalistinnen und Journalisten.

Link zur Studie: K. Niesen/G. Linnebank: Public support for the media: a six-country overview of direct and indirect subsidies

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